Spaziergang durchs Welterbe

Wer durch das historische Wismar streift, taucht auf Schritt und Tritt in die Vergangenheit. Straßennetz, Backsteingotik, ein mittelalterlicher Wasserlauf: Die Altstadt steht exemplarisch für eine idealtypisch entwickelte Hansestadt während der Blütezeit des Städtebunds – und wurde deshalb 2002 zusammen mit dem Zentrum von Stralsund in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.

Welterbe – das klingt bedeutsam, fast ehrfurchtgebietend. Aber genau das will Welterbe nicht sein – im Gegenteil. Es soll Interesse wecken, die Bildung befördern, das Überlieferte ins Heute integrieren. Und gleichzeitig soll der Status dazu beitragen, einzigartige Stätten zu schützen und für kommende Generationen zu erhalten.

Wer in Wismar durch die Zeit der Hanse wandern möchte, fängt am besten in der Lübschen Straße an. Diese Trasse war zur Hansezeit eine wichtige Ost-West-Verbindung: Das mächtige Lübeck, damals zwei Tagesreisen westwärts gelegen, war der Namensgeber. In der Nummer 23 befindet sich das Welt-Erbe-Haus, das Museum, Bildungsstätte und Ausgangspunkt für Stadttouren gleichermaßen ist (geöffnet bis 25. Mai von 10 bis 16 Uhr, ab 25. Mai von 9 bis 17 Uhr). Seit 2014 steht das Haus Besuchern offen und gibt einen Vorgeschmack auf das, was sie jenseits der Mauern mit eigenen Augen sehen können.

Blick auf St. Nikolai, eine der großen Kirchen Wismars Foto: Rainer Cordes

Inzwischen gehören deutschlandweit 46 Stätten zu der exklusiven Familie – 43 von ihnen zum Kultur- und weitere 3 zum Naturerbe. Darunter sind auch die alten Buchenwälder in den Naturparken Jasmund und Müritz in Mecklenburg-Vorpommern. Das Schweriner Residenzensemble als Kulturlandschaft des romantischen Historismus steht seit 2014 auf der deutschen Tentativliste fürs UNESCO-Weltkulturerbe. Damit könnte das kleine Mecklenburg-Vorpommern perspektivisch einen weiteren Schatz in die erlesene Sammlung einbringen.

Um einen Blick hinter die Kulissen des Welterbes zu gewährleisten, hat die deutsche UNESCO-Kommission den ersten Sonntag im Juni zum Welterbetag erklärt. Der findet in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie erstmals virtuell statt – dafür aber mit der Chance, alle 46 Welterbestätten an einem Tag zu besuchen. Auf der neu eingerichteten Seite www.unesco-welterbetag.de finden Besucher Informationen, Videos und die Chance, an einem Fotowettbewerb teilzunehmen und so das Welterbe vor der eigenen Haustür in den Fokus zu rücken.