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Viele Menschen reisen gern zu den Sternen

Mecklenburger Körpfe - Ralf Koch
Ralf Koch leitet den Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide, der jetzt offiziell Sternenpark ist.
Foto: Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide

Was bedeutet das offizielle Zertifikat als Sternenpark für den Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide?
Für uns ist es ein Alleinstellungsmerkmal, auch in Mecklenburg-Vorpommern, wo es keinen weiteren zertifizierten Sternenpark gibt. Wasser und Wald haben viele, wir können jetzt zusätzlich mit einem exzellenten Sternenhimmel werben. Mit neun Einwohnern pro Quadratkilometer ist die Region extrem dünn besiedelt, es gibt also wenig Lichtverschmutzung. Da hat die strukturschwache Landschaft mal einen Vorteil, den wir für uns nutzen. Solche Bedingungen existieren nicht an vielen Orten.

Sterne sind weit weg – wie schaffen Sie es, sie den Besuchern nahzubringen?
Wir haben zum Beispiel an den dunkelsten Stellen im Naturpark Beobachtungsplätze eingerichtet. Es sind Orte, die sich gut erreichen lassen und an denen Liegen stehen, von denen es sich bequem in den Himmel gucken lässt. Das können Besucher allein tun oder im Rahmen einer Führung. Es gibt ausgebildete Sternenführer, die den Nachthimmel erklären. Dafür braucht man gar kein großes Teleskop. Sternbilder lassen sich mit bloßem Auge sehen und faszinieren genauso wie die Mythen, die sich hinter ihnen verbergen. Ich meine, unterm Sternenhimmel zu sein, ist doch unser ältestes Naturgut! Die Himmelsscheibe von Nebra ist über 4000 Jahre alt und schon damals haben Menschen sich Gedanken über Astronomie gemacht. Wer aus Berlin oder anderen Ballungsgebieten kommt, hat einen solchen Sternenhimmel wie hier über dem Naturpark oft noch nie gesehen. Es sind rund 5000 Sterne, die da funkeln und der Sommer- und der Winterhimmel bieten unterschiedliche Anknüpfungspunkte für Veranstaltungen.

„Unter dem Sternenhimmel zu sein ist ein uraltes Kulturgut.“

Wie aufwendig war die Zertifizierung?
Sehr aufwendig. Die Idee wurde 2013 das erste Mal geäußert. Das zeigt, wie lange der Prozess gedauert hat. Wir mussten zum Beispiel jede Gemeinde im Park davon überzeugen, ihre Straßenbeleuchtung an eine warme Lichtfarbe von unter 3000 Kelvin anzupassen. Zum Glück ist das Projekt gefördert worden, unter anderem aus dem LEADER-Programm und von der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung. Inzwischen haben alle Gemeinden die Guidelines unterschrieben, was uns zeigt, dass sie der Sternenpark-Idee positiv gegenüberstehen. Wir hatten uns im Vorfeld auch Parks im Länderdreieck Polen, Slowakei, Ukraine angesehen, die nach anderen Kriterien arbeiten, sind dann aber zu dem Schluss gekommen, dass wir eine offizielle Zertifizierung durch eine internationale Organisation anstreben. Jetzt sind wir einer von sieben zertifizierten Sternenparks in Deutschland, weltweit sind es 250.

Was sind die Reaktionen der Besucher?
Die Veranstaltungen im Sternenpark sind im Moment die am meisten gefragten, auch bei Einheimischen. Menschen aus der Großstadt sind vom Anblick des Himmels hier völlig verblüfft. Es gibt ja auch so schöne Veranstaltungen, wie das Paddeln im Mondschein… Aktuell sind wir dabei, auch Gastgeber auszubilden. Es wäre doch zum Beispiel ein Pluspunkt, im Hotel bis 11 Uhr Frühstück anzubieten. Dann können alle, die abends Sterne gucken waren, ein bisschen länger schlafen.

Interview: Katja Haescher