Vorgestellt: Brigadegeneral Markus Kurczyk

„Ich bin schon teilweise afghanisiert“, sagt der Brigadegeneral Markus Kurczyk von sich. Der gut ein Jahr dauernde Einsatz in Kabul, von dem er Anfang dieses Jahres zurückkehrte, war eben etwas ganz anderes als der Alltag in einer deutschen Kaserne. Ende März löste er den Brigadegeneral Gerd Kropf als Kommandeur des Landeskommandos MV ab. Zwar begab er sich hier in der Schweri­ner Werder­kaserne direkt an die Arbeit. Aber bis er sich in Deutschland wieder komplett akklimatisiert habe, könne es noch ein paar Monate dauern, schätzt er.

Als junger Bursche, geboren 1964 in Ludwigshafen, war es nicht sein Plan, eine Karriere beim Militär einzuschlagen. Er fühlte sich in den frühen achtziger Jahren sogar eher der alternativen Szene zugehörig, beteiligte sich als Jugendlicher an den Protesten gegen die Startbahn West in Frankfurt am Main. Aber dann stand die Zeit als Wehrpflichtiger an, dabei wurde ihm die Perspektive, zu studieren und als Zeitsoldat zu dienen, aufgezeigt. „Das fand ich ein attraktives Angebot, obwohl ich aus heutiger Sicht damals keine richtige Ahnung hatte, was auf mich zukommt“, sagt er.

Dass man immer schrittweise etwas verbessern könne, sei für ihn Erkenntnis und Motivation zugleich gewesen. Er meint damit,  die verschiedenen Verwendungen der Bundeswehr, die er nach und nach durchlief. Gleichzeitig schaut er sich seine ganz persönliche Entwicklung an. „Ich war ein verzogenes Einzelkind“, gibt er zu. „Aber ich glaube, dass das Sozialpädagogikstudium und die dienstliche Verantwortung für Menschen aus mir eine ganz andere Persönlichkeit gemacht haben.“ Zwei Eigenschaften, die ihm nun helfen zu führen, habe er jedoch beibehalten: „die Freude, im Scheinwerferlicht zu stehen“ und der Spaß an dem, was er tut.

Nach vielen Karrierestationen, Beförderungen und Auszeichnungen wurde er im Februar 2019 zum dritten Mal in Afghanistan eingesetzt. Bei der NATO-Mission in Kabul be­feh­lig­te er nicht nur hunderte von Bundeswehrsoldaten, sondern auch andere NATO-Einsatzkräfte. „Es ist schon eine außergewöhnliche Situation, über Monate jeden Tag
24 Stunden auf engstem Raum immer mit denselben Menschen zu verbringen. Am Ende kannte ich von jedem die Fa­mi­lien­geschichte“, sagt Kurczyk.

Es sei ein ganz anderer Umgang miteinander bei solch einem Einsatz als daheim. „Das ist der positive Effekt: Die Gemeinschaft unter den Soldaten wird hier viel intensiver gelebt als in Deutschland. Mir geht es ohnehin nicht um Schmuck am Nachthemd, sondern um den Auftrag. Ich würde dafür auch selbst den Spaten in die Hand nehmen. Ich liebe es einfach, mit Menschen zusammen zu sein und mit ihnen gemeinsam Ziele zu erreichen“, schwärmt der General.

Das ist ein Teil seiner „Afghanisierung“, ein anderer wurde hervorgerufen durch seine Eindrücke von dem Land, den Naturschönheiten, der Herzenswärme seiner Bewohner. „Ich glaube, dass Afghanistan eine Zukunft hat“, betont er. Jedoch will er auch die negativen Seiten der „Afghanisierung“ nicht verschweigen. „Wenn Sie mich fragen, was die schlimms­te Situation war, dann der Personenschutz. Ich hatte ständig sechs Personen um mich herum“, sagt er. Und die stete Wachsamkeit vor Gefahren verfolge ihn heute noch: Geräusche, die klingen wie das Klacken von Magnetbomben, wenn Terroristen sie ans Fahrzeug heften, Menschenansammlungen, unerwartete Berührungen machen ihn nervös, verursachen manchmal Schweißausbrüche.

Als klar war, dass er in Schwerin eingesetzt werde, habe er bereits von Kabul aus seinen Umzug in unsere Stadt organisiert. Seine neue Wohnung in der Innenstadt mit Schlossblick habe er sich per Skype vom Verwalter zeigen lassen. Er freut sich sehr über seine neue Heimat: „Ich habe einen so genialen Ersteindruck von dieser Stadt: das Schloss, das leuchtet, die Seen, die kleinen Läden, die Gastronomie.“

Eine seiner dienstlichen Hauptaufgaben sieht er nun darin, „Menschen anzusprechen, die gerade bei größeren Krisen helfen wollen, aber es nicht können“. Diese könnten zum Beispiel Teil der Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskompanie werden. Diese Freiwilligen bekämen ja auch etwas geboten, unter anderem „durch gemeinschaftliches Einstehen und das Teilen von Härte und Entbehrungen gutes Handwerkszeug, wie ich Menschen führen kann“. Das helfe, sich menschlich wie beruflich weiterzuentwickeln.

Lebenslauf Markus Kurczyk

Für Brigadegeneral Markus Kurczyk, 1964 in Ludwigshafen geboren, ist es die erste Verwendung in Mecklenburg-Vorpommern. Sein Weg in der Bundeswehr begann bei der Luftwaffe in Roth (Bayern) im Jahr 1983. Nach dem Studium der Sozialpädagogik in München waren das Wachbataillon der Bundeswehr, der Einsatz als Kompaniechef in Budel (Niederlande), eine Verwendung im Verteidigungsministerium sowie die Teilnahme am Generalstabslehrgang der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg die nächsten Stationen.

Anschließend folgten wieder Verwendungen für die Luftwaffe im Verteidigungsministerium, als Bataillonskommandeur in Schortens (Niedersachsen) sowie Auslandseinsätze in Afghanistan.
Herauszuheben sind weiterhin die Zeit als Kommandeur der Unteroffizierschule der Luftwaffe in Appen, die Verwendung als Abteilungsleiter „Ausbildung Streitkräfte“ sowie sein Auslandseinsatz in Afghanistan, der unmittelbar vor der Verwendung im Landeskommando MV, diesmal im Hauptquartier der „Resolute Support Mission“ in Kabul (Februar 2019 – Februar 2020), erfolgte. Seit dem 25. März ist Brigadegeneral Markus Kurczyk Kommandeur des Landeskommandos Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin.

Beförderungen

1986 – Leutnant
1989 – Oberleutnant
1992 – Hauptmann
1997 – Major
2002 – Oberstleutnant
2009 – Oberst
2016 – Brigadegeneral

Einsätze

2006 – 2007 – Mazar-e Sharif
2011 – 2012 – Kabul
2019 – 2020 – Kabul

Auszeichnungen

Ehrenkreuz der Bundeswehr
Einsatzmedaillen der Bundeswehr ISAF und RSM jeweils in Bronze und Silber
Koninklijke Nederlandse Bond voor Lichamelijke Opvoeding, Bronze
Silbermedaille der polnischen Armee
High State Medal of Ghazi Mir Masjidi Khan des afghanischen Präsidenten