Die Orangerie diente der Aufnahme exotischer Pflanzen und ist architektonisch etwas ganz Besonderes
Wer kennt das nicht: Da steht ein schönes Haus in der Straße, hundertmal und öfter ist man schon vorbeigegangen. Aber was verbirgt sich hinter der Fassade? Welche Geschichten stecken hinter den Mauern, wer geht hier ein und aus? Denn schließlich sind Geschichten von Häusern immer auch Geschichten von Menschen. In dieser Serie wollen wir gemeinsam mit Ihnen hinter Fassaden blicken. Heute in der Orangerie des Schlosses, die den Prachtbau mit dem ihn umgebenden Garten vereint.

Es war ein wunderbares Geschenk eines verliebten Großherzogs: Friedrich Franz II. ließ seiner Auguste im Schloss ein Blumenzimmer einrichten, ein elegantes Boudoir mit üppigem floralen Dekor, eine Verheißung auf das, was vor der Tür wartete. Denn wenn die Großherzogin nach draußen trat, gelangte sie über eine Treppe direkt auf die Gartenterrasse und das Dach der Orangerie. Die Orangerie als „Ort inszenierter Verschränkung von Natur und Kunst“ – wo sollte diese schöner sein als auf der Schweriner Schlossinsel?
Zumindest ist sie ungewöhnlich.
Die Schweriner Orangerie ist kein separater Bau, sondern schließt architektonisch direkt ans Schloss an. Zu ihr gehören eine Dreiflügelanlage mit großen Glasfenstern sowie der Medaillon- und Weinlaubsaal. Deren Decken bilden den Boden der Terrasse – ein weiteres Beispiel dafür, wie hier Haus und Garten verwachsen. Vereint haben sich in dem Bau auch die Ideen mehrerer Architekten: Demmler plante für das „Pflanzen-Conservirhaus“ das dreiflüglige eiserne Glashaus, Stüler wiederum ließ nach Demmlers Entlassung einen Teil von dessen fertigen Bauten wieder abreißen und den Orangeriehof vergrößern. Er entwarf den halbrunden Kolonnadengang und ließ zusätzlich Land am Seeufer aufschütten, um Platz zu gewinnen. Weitere Änderungen kamen während des Baus. Zeigte Stülers Entwurf von 1851 noch einen Georg, der auf dem Mittelpodest der Kolonnade einem Drachen den Garaus macht, bändigt dort heute Herakles den kretischen Stier.
Rechnungen über den Ankauf von Pflanzen existieren schon aus den 1840er Jahren, als sieben Kisten mit Orangenbäumen von Palermo nach Hamburg verschifft und von dort nach Schwerin gebracht werden. Und scheinbar gab es beim Pflanzenkauf auch Misstöne. Das geht zumindest aus einem Schreiben von Hofgärtner Theodor Klett hervor. Obwohl dieser gerade einen Lorbeer und einen Granatbaum „zum Spottpreis“ erworben hatte, mäkelte die Baubehörde scheinbar am Kauf von Kübelpflanzen. Dabei, so Klett, würden die baulichen Gegebenheiten auf Terrassen und Bastionen den Kauf von Kübeln erfordern – es sei einfach nicht genügend Erde da, in der ein Baum ohne Topf wurzeln könne.
Dies hängt ebenfalls mit der besonderen Konstruktion der Orangerie zusammen. So stehen auch die beiden Viktorien auf den Decken der Pflanzenhäuser. Als die Siegesgöttinnen 2001 dank einer vom Schlossverein initiierten und betreuten Spendensammlung zurückkehrten, wurden sie in Aluminium gefertigt und weiß angestrichen. So schweben die Leichtgewichte heute über der wiedererstandenen Orangerie, die vor 30 Jahren beinahe verloren gewesen wäre. 1994 war der Bau wegen Einsturzgefahr gesperrt worden. Die Gusseisenkonstruktion war teils mit Holz abgestützt und vernagelt, der Innenhof mit einer schwarzen Plane abgedeckt und das Tor des Kolonnadenrunds um einen halben Meter in Richtung See abgesackt – mit der Folge von schweren Schäden im Mauerwerk. Zum Glück war es damals nicht zu spät: 1995 begann die Rettung der Orangerie.
Wenn Besucher heute durch den Burggarten bummeln, rahmt der Torbogen der Kolonnaden eines der schönsten Fotomotive der Stadt, während das Säulenhalbrund und das „U“ der Glasfenster den Traum vom Süden umschließen.
Katja Haescher