Hitzeschutz ist Katastrophenschutz: Mehr als 150 Organisationen fordern bessere Krisenvorsorge

Hitzewellen werden häufiger, länger und intensiver – mit erheblichen Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung und die Belastbarkeit des Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesens. Mehr als 150 Organisationen aus Gesundheitswesen, Pflege, Wohlfahrt und Zivilgesellschaft warnen gemeinsam: Deutschland ist auf Extremhitze als Krisenlage bislang nicht ausreichend vorbereitet. Hitze muss künftig verbindlich in Krisenvorsorge und Katastrophenschutz integriert werden.
Was passiert, wenn im Rheintal über 14 Tage Höchsttemperaturen bis zu 44 Grad gemessen werden, Rettungsdienste überlastet, Notaufnahmen überfüllt sind? Einzelne Pflegeheime evakuiert werden müssen? In einem extremen Hitzedom-Szenario werden in Deutschland Zehntausende Todesfälle innerhalb weniger Tage als möglich beschrieben. Unter dem Motto „Gemeinsam vorsorgen gegen Extremhitze“ ruft ein breites Bündnis dazu auf, den gesundheitsbezogenen Hitzeschutz in Deutschland konsequent und flächendeckend umzusetzen. Zu den Initiatoren zählen unter anderem die Bundesärztekammer, die Deutsche Krankenhausgesellschaft sowie die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrts-
pflege. Auch wirtschaftliche Schäden nehmen in solchen Phasen zu. Für Deutschland werden in aktuellen Szenarien hitzebedingte Verluste von rund 112,5 Milliarden Euro innerhalb weniger Jahre erwartet. Um die Dimension zu verdeutlichen: Das entspricht fast dem Dreifachen der gesamten Schäden der historischen Ahrtal-Flutkatastrophe von 2021. An dem Hitzeaktionstag nahm auch Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsministerin Stefanie Drese teil. Sie berichtete über die Aktivitäten von Land, Kommunen, Verbänden und Trägern zum gesundheitsbezogenen Hitzeschutz und den Hitzeschutzplan für MV.
„Die Auswirkungen von klimawandelbedingten Extremwetterlagen auf die Gesundheit sind bislang noch nicht ausreichend im öffentlichen Bewusstsein verankert. Besonders betroffen sind ältere und pflegebedürftige Menschen, chronisch Kranke, Schwangere, Kinder, aber auch Beschäftigte, die hohen körperlichen Belastungen ausgesetzt sind“, sagte Drese. Vor allem diese Gruppen würden Unterstützung brauchen, etwa durch hitzeresiliente Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, präventive Gesundheitskonzepte sowie eine stärkere Verankerung von Klimawissen in der medizinischen Ausbildung.