Jane Kanieser steckt andere gern mit ihrer Begeisterung fürs Lesen an

Foto: Katja Haescher
Beglückend. So empfindet Jane Kanieser ihr Berufsleben. Natürlich: Für jemanden, der gern liest, muss die Arbeit in einer Buchhandlung ein Traum sein. Im kommenden Jahr werden es 30 Jahre, dass sie „littera et cetera“ an der Ecke Schliemannstraße/Puschinstraße führt. Als sie den Laden übernahm, war sie 25. Aber sie hatte eine klare Vorstellung von der Aufgabe, kannte den Laden als Angestellte und die Selbstständigkeit von ihren Eltern, die eine Bäckerei in Güstrow führten.
In der Barlachstadt ist Jane Kanieser aufgewachsen. In der Bibliothek im Schloss lernte sie den Beruf einer Bibliotheksfacharbeiterin. „Ich habe schon immer gern gelesen und meine Eltern haben uns gut mit Büchern versorgt“, erinnert sie sich. Nachdem sie an der Abendschule das Abitur nachgeholt hatte, studierte sie in Leipzig Bibliothekswesen. Allerdings: Die 1990-er Jahre waren in den neuen Bundesländern nicht die beste Zeit für Büchereien. Und so war es dann die kleine, inhabergeführte Buchhandlung, in der Jane Kanieser nach dem Studium ins Berufsleben startete – bevor sie sie selbst übernahm.
Als Inhaberin schafft sie in diesem Geschäft eine Wohlfühlatmosphäre. Das beginnt bei den frischen Astern auf dem Tisch und reicht über eine Ausstellung an der Wand und die Klaviermusik aus dem Lautsprecher bis zu den Büchern, die sich in den Regalen reihen. Viel Frisches ist dabei, denn jetzt ist Zeit für die Neuerscheinungen des Bücherherbstes. In den fallen auch die 31. Schweriner Literaturtage und Jane Kanieser freut sich sehr, in diesem Rahmen auch bei „littera et cetera“ zu einer Lesung einzuladen. Noch mehr freut sie sich, dass Autorin Peggy Mädler mit ihrem Buch „Selbstregulierung des Herzens“ auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises steht. Die Lesung findet am 29. Oktober statt und das ist ein Donnerstag, was „littera et cetera“-Freunde wahrscheinlich aufmerken lässt. In der Regel sind es nämlich Montage, die in der Buchhandlung einmal im Monat für Lesungen reserviert sind. Dieses Format hat die Buchhändlerin etabliert, weil die Montage immer ein bisschen mau waren.
Die Herausforderung, in einem sich wandelnden Markt zu bestehen, nimmt sie an. Das Angebot an Klassik-CDs ist kleiner geworden, trotzdem will sie die Silberlinge im Laden behalten, weil sie eine schöne Ergänzung sind. Zum Tag des Buches lädt Jane Kanieser Schulkinder ein und zeigt, wie toll Lesen sein kann. Ihren eigenen Kindern hat sie viel vorgelesen und heute, da die drei 22, 18 und 16 Jahre alt sind, ist der gute Kontakt zu Büchern nie verloren gegangen.
Die Schwerinerin weiß, was Kinder gern lesen, den Harry-Potter-Hype hat sie sowohl in der Buchhandlung als auch bei ihren eigenen Kindern miterlebt. Sie selbst nutzt das Privileg, viel zu lesen und könnte sich für ein Lieblingsbuch gar nicht entscheiden. „Ich denke, dass ist auch immer von der Zeit abhängig, in der man selbst gerade steckt“, sagt die 55-Jährige. Rund 80.000 Bücher erscheinen jedes Jahr in Deutschland neu – etwa 3000 passen in ihre kleine Buchhandlung. Da ist klar, dass sie nach Perlen taucht. Und auch die Kunden wissen die Vorauswahl zu schätzen.
Eine besondere Lesung plant Jane Kanieser im November. Dann ist die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Gast und liest aus ihrem Buch „Freiheit“ – am 23. November um 19 Uhr in der Paulskirche. Zuvor wird zwischen 16 und 17 Uhr in der Buchhandlung eine Signierstunde stattfinden. Und so reihen sich wie die Bücher die Pläne für Veranstaltungen. Weil das alles kein Mensch allein schafft, ist Jane Kanieser auch über ihre beiden Kolleginnen sehr glücklich. Und gefragt, was sie sich selbst für „littera et cetera“ wünscht, antwortet sie ohne lange überlegen zu müssen: „Weiterhin ein Ort für viele lesebegeisterte Kunden zu sein.“
Katja Haescher