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Ein Wiedersehen beim Fußball

Vincent Wagner besuchte in Schwerin das Sportgymnasium – heute ist er Trainer von Zweitligist Elversberg

Porträt - Vincent Wagner
Gruppenfoto vor dem Spiel in Stralendorf: Vincent Wagner (hintere Reihe, links) freut sich jedes Jahr aufs Kicken mit alten Fußballfreunden und deren Kindern. Foto: Katja Haescher

In der Regel sind es die Mikros von der ARD oder Sky Sport, die vor Vincent Wagner stehen, wenn er über Fußball spricht. Der 39-Jährige ist Cheftrainer bei der Sportvereinigung 07 Elversberg und in den zurückliegenden Monaten gab es hier viel zu berichten: Der Verein stand zur Winterpause auf Tabellenplatz 2 in der zweiten Bundesliga und damit auf einem Aufstiegsrang. Emotionaler Höhepunkt kurz vor dem Jahresende war die Partie in Münster, bei der die Gastgeber die 1:0-Halbzeitführung von Elversberg in der Nachspielzeit noch in ein Unentschieden wandelten.

Gut, dass da die Winterpause Zeit für Erholung bot. Obwohl: Ein wichtiges Spiel gab es noch, zwischen Weihnachten und Neujahr, in der Sporthalle in Stralendorf bei Schwerin. Auf dem Feld: Vincent Wagner und ehemalige Mannschaftskameraden des FC Eintracht Schwerin, viele von ihnen im gleichen Jahrgang am Schweriner Sportgymnasium. „Wir treffen uns einmal im Jahr zum Fußballspielen“, sagt Wagner, der regelmäßig dabei ist. Punkte und Tabellen spielen dann keine Rolle, umso mehr der Spaß und die Freude am Wiedersehen; die drei Worte „weißt du noch …“ werden ziemlich oft gesagt. Einer aus der Gruppe, Michael Lindner, ist Lehrer am Schulzentrum in Stralendorf und organisiert für die ehemaligen Schweriner Kicker die Nutzung der Sporthalle.

Unter den Freunden ist Vincent Wagner der einzige, der im Profi-Fußball arbeitet. Begonnen hat er seine Sportkarriere in Bresegard bei Picher, von wo aus es für den jungen Sportler dann schnell nach Schwerin und zum 1. FC Eintracht ging. „Ich habe spät mit dem Fußballspielen angefangen“, sagt Wagner. Spät, aber zielstrebig: Nach seiner Zeit bei der A-Jugend des FC Eintracht, heute FC Mecklenburg, spielte er dort noch zwei Jahre in der Männermannschaft. „Das war damals in der Oberliga“, erinnert er sich. Die nächste Stationen: Rot-Weiß Essen, der FC Kray, ebenfalls in Essen, der KFC Uerdingen 05. Parallel studierte Vincent Wagner in seiner Essener Zeit Lehramt für Sport und Geschichte. „Es hat zwar 23 Semester gedauert, aber ich habe es geschafft“, sagt er und tauscht mit seinem ehemaligen Klassenkameraden und Fußballkumpel Michael Schubert gleich noch ein paar Anekdoten aus: „Wenn ich mich damals nach dem Training hingehauen habe, hat Schubi immer noch einen Blick in die Bücher geworfen und schließlich ein Einser-Abi gemacht und Medizin studiert.“ Beide sind davon überzeugt, dass ihnen die Zeit am Sportgymnasium auch beigebracht hat, am Ball zu bleiben und eigene Pläne zu verwirklichen.

Natürlich verfolgen die Sportfreunde aus dem Norden die Karriere, die Vincent Wagner inzwischen ins Saarland geführt hat. Zu Beginn der Saison 2025/26 hat er den Cheftrainerposten bei der SV Elversberg übernommen. Sein Vorgänger Horst Steffen, dem als Chefcoach mit Elversberg ein Durchmarsch von der vierten in die dritte und im Jahr darauf in die zweite Liga gelungen war, wechselte im Sommer vergangenen Jahres zu Bundesligist Werder Bremen. „Damals dachten alle, wir steigen ab“, erinnert sich Vincent Wagner an seinen Arbeitsbeginn in Elversberg. „Der Trainer war weg, sieben Spieler waren weg und mich kannte keiner.“ Der 39-Jährige kam vom der TSG 1899 Hoffenheim, wo er zuvor als Chefcoach die zweite Mannschaft trainiert hatte.

Auch seine Trainerlaufbahn hat Vincent Wagner zielstrebig vorangetrieben. C-Lizenz, B-Lizenz, A-Lizenz, „mir macht es Spaß, inhaltlich zu arbeiten“, sagt er. Anfang Dezember hat der Coach an der DFB-Akademie die Fußballlehrerlizenz und damit die höchste Stufe der vom DFB vergebenen Trainerlizenzen erworben.
In Elversberg fühlt sich Vincent Wagner sehr wohl. „Es ist ein sehr familiärer Club“ sagt er und ihm gefällt noch mehr: „Die Spieler spielen einen sehr mutigen Fußball, sie haben eher Spaß am Gewinnen als Angst zu verlieren.“ Dafür, sagt der Coach, braucht es starke Persönlichkeiten. Seine Aufgabe als Trainer ist es, aus deren Können eine ganzheitliche Mannschaftsleistung zu formen und ständig weiter zu entwickeln. Es ist eine Herausforderung, die der gebürtige Nordhausener voller Freude angeht – und mit der nötigen Ruhe.
Natürlich vibrieren auch bei ihm manchmal die Nerven. „Wenn du vor 45.000 Leuten im Berliner Olympiastadion stehst, ist das schon ein Ding“, sagt Vincent Wagner – seine Mutter im Publikum sei bei dieser Gelegenheit fix und fertig gewesen.

Die Eltern wohnen in Jasnitz, die Schwiegereltern in Schwerin. Auf der Rückfahrt vom Weihnachtsurlaub machte Vincent Wagner mit seiner Familie auch noch bei den Großeltern in Thüringen Station, bevor es einen Tag später mit dem Team ins Trainingslager in Spanien ging. Am 17. Januar beginnt für die Elversberger mit der Partie gegen den 1. FC Nürnberg offiziell die Rückrunde. Was sagt der Coach über die zweite Saisonhälfte? „Unser Ziel ist der Klassenerhalt, sehr guten Fußball zu spielen und uns ständig zu verbessern.“ Wer so in die Vollen geht, braucht auch mal eine Auszeit – wie in Stralendorf. Worauf Vincent Wagner sich hier freut: „Kicken mit den Jungs, lecker essen und ein bisschen dummes Zeug quatschen.“

Katja Haescher