Chris Thode engagiert sich beim THW und war 2021 als Helfer bei der Flut im Ahrtal dabei

Foto: Katja Haescher
Einer wie er muss gut organisiert sein. Anders ließen sich ein Job, eine Familie mit zwei kleinen Kindern und ein ambitioniertes Ehrenamt wohl nicht unter einen Hut bringen. Chris Thode engagiert sich beim THW, dem Technischen Hilfswerk, in Schwerin. Und er ist dort inzwischen Gruppenführer –einer, der nicht nur viel Verantwortung hat, sondern auch Berechtigungsscheine für die ganz große Technik. Aber davon später mehr.
Trotz seiner gerade einmal 33 Jahre ist Chris Thode beim THW in Schwerin ein alter Hase. „Ein Kumpel von meinem Vater war dort aktiv und fragte ihn irgendwann: Sag mal, haben deine Jungs nicht Bock auf die Jugendgruppe?“, erzählt er. Das war 2008 und seitdem ist Chris Thode bei der Katastrophenschutzorganisation im Dienst.
Technikinteressiert war er schon immer, dass er später den Beruf eines Kfz-Mechatronikers lernte, konnte für sein Ehrenamt nur nützlich sein. Dennoch musste der 33-Jährige auch beim THW eine gründliche Fachausbildung absolvieren. Er tat es Schritt für Schritt: zuerst die siebenmonatige Grundausbildung zum Helfer, später zum Kraftfahrer und dann die Fachausbildung zum Truppführer und Gruppenführer.
Wenn Chris Thode mit seinen Leuten anrückt, dann geht es um Wasser. Oder genauer gesagt: um zu viel Wasser. „Wasserschaden/Pumpen“ heißt das Spezialgebiet seiner Gruppe. Als vor Jahren in Teterow nach tagelangen Regenfällen Straßen überflutet waren, rückten auch die Schweriner dorthin aus. Oder als auf Fehmarn Regen und Schmelzwasser einem Deich so zugesetzt hatten, dass sich das Ostseewasser einen Weg hindurch suchte, waren sie zur Stelle.
In Katastrophenfällen ist das THW als Katastrophenschutzorganisation des Bundes europaweit im Einsatz. 88.000 Ehrenamtliche engagieren sich bundesweit, im vergangenen Jahr leisteten sie 600.000 Einsatzstunden. Zu dieser Bilanz tragen auch die Schweriner bei. Chris Thode gehört zwar nicht zum „Europa-Team“, fährt aber zu Einsätzen in ganz Deutschland – wie nach der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal. Keine alltägliche Aufgabe: „Das Wasser hatte dort alles fortgerissen. Es sah aus, als wäre jemand mit einer riesigen Walze über das Land gefahren“, erinnert sich der THW-Mann. Er denkt an eine Helferin, die weinend vor ihm stand, weil sie kein Zuhause mehr hatte, nicht wusste, wo ihre Eltern waren. „Das Leid der Menschen hat mich damals besonders berührt“, sagt Chris Thode und fügt hinzu, dass er gleichzeitig von der unglaublichen Hilfsbereitschaft beeindruckt war.
Mehr als 4000 ehrenamtliche Kräfte des THW waren in der Hochphase der Flut im Einsatz. Chris Thode gehörte zu einem Zehn-Mann-Team, das in der zerstörten Region eine komplette Kfz-Werkstatt aufbaute und rund um die Uhr betrieb. „Wir haben alles repariert, Lkw, Pkw, aber auch verschlammte Flex und Motorsägen, die ja dringend gebraucht wurden“, sagt er. Gearbeitet wurde rund um die Uhr, die Männer wechselten sich in der improvisierten Werkstatt ab, krochen zwischendurch nur für ein paar Stunden im Zelt in die Schlafsäcke.
All das muss man natürlich wollen. Gefragt, warum er all diese Freizeit aufwendet und auch Entbehrungen in Kauf nimmt, sagt Chris Thode sofort: „Wegen der Kameradschaft.“ Es ist auch die Technik, die ihn interessiert, aber noch mehr sind es die Leute, mit denen er bei Übungen und Einsätzen Hand in Hand arbeitet und im Anschluss zusammensitzt. Das THW ist eine große Familie und dieses Bild passt in Thodes Fall besonders gut, weil auch seine eigene Familie hier ihren Ursprung hat: Der Schweriner hat seine Frau beim THW kennen gelernt. Inzwischen sind die beiden verheiratet und haben einen neunjährigen Sohn und eine dreijährige Tochter. Und dass bei dieser Hochzeit auch ein blauer Lkw mit Sirene um die Ecke bog, gehörte dazu.
Die schwere Technik ist das Rückgrat für die anfallenden Aufgaben. Einsatzfahrzeuge, Lkw und Pumpen stehen bereit und können innerhalb kurzer Zeit in der Spur sein. „Das ist natürlich eine Herausforderung, wenn man mit einer solchen Elefantenherde los muss“, sagt der Gruppenleiter. Gleichzeitig bedeutet die schnelle Einsatzbereitschaft auch, dass die Freiwilligen bei jeder Rückkehr gleich alles fürs nächste Ausrücken bereit machen.
Dankbar ist Chris Thode dafür, dass sein Chef Verständnis hat und so sein Engagement im THW unterstützt. Gleiches gilt natürlich für seine Familie, denn jeden Dienstagabend ist er hier im Dienst. Auch sein Sohn weiß inzwischen, dass Papa ihn an manchen Tagen nicht zur Schule bringen kann, weil ein Einsatz ruft.
Und apropos Einsatz: Die besten, sagt er, sind solche, die man abschließen kann und von denen alle unverletzt nach Hause kommen.
Katja Haescher