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Kuchen und Wein für den Hof

Ausstellung „Bekrönte Händler“ im Kulturforum legt Fokus auf Hoflieferanten der Welterbe-Residenz

Ausstellung „Bekrönte Händler“ im Kulturforum
Wer liegt wo: Ein Plan des Alten Friedhofs zeigt in der Ausstellung Grabstätten von Hoflieferanten.Foto: Katja Haescher

Sie lieferten Torten, Wein und Delikatessen, Bücher, Silbergeschirr und präparierte Flusspferdschädel: Großherzoglich Mecklenburgische Hoflieferanten und Hofhandwerker versorgten den Hof in nahezu allen Lebenslagen. Ihnen ist jetzt eine Ausstellung gewidmet, die unter der Überschrift „Bekrönte Händler“ im Kulturforum Schleswig-Holstein-Haus zu sehen ist.

Schon zur Eröffnung war das Interesse riesengroß. Kurator Jakob Schwichtenberg empfahl den Gäs­ten vorsorglich einen zweiten Besuch, um die Ausstellung bei weniger Andrang in Ruhe betrachten zu können. Bis zum 12. April ist dazu Gelegenheit.

Und es lohnt sich. Unter den Objekten, die vom Wirken der Händler und Handwerker des Welterbes erzählen, sind echte Raritäten. Der Flusspferdschädel zum Beispiel, den die Schweriner im Müritzeum ausgeliehen haben, das den größten Teil des Nachlasses von Carl Knuth verwahrt. Knuth begleitete Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg auf dessen zweite Afrika-Expedition und fertigte Präparate von Jagdtrophäen an. 1893 wurde er Hofkonservator des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin und erhielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts Hoftitel weiterer Monarchen.

Diese Titel, erklärte Jakob Schwichtenberg bei der Eröffnung, hatten einen enormen Marketingeffekt und damit wirtschaftliches Potenzial. Mit der Konditorei Krefft – dem heutigen Café Prag, der Weinhandlung Uhle und der Weinhandlung Wöhler haben drei einstige Hoflieferanten auch Welterbe-Bauten hinterlassen: Alle drei Häuser gehören zum Residenz­ensemble.

Kooperationspartner der Ausstellung ist der Förderverein Alter Friedhof. Dort sind die Hoflieferanten-Titel auf zahlreichen Grabsteinen noch heute sichtbar. Vorsitzender Uwe Lange zitierte den Autor Jürgen Borchert und nannte den Friedhof „ein Freiluftmuseum der Kulturgeschichte“. Wer hier spazieren gehe, erhalte eine Ahnung vom Wirtschaftsleben des 19. und frühen 20. Jahrhunderts in Schwerin. Und die Ausstellung im Kulturforum gibt mit einem Plan der Hoflieferanten-Grabstätten schon einmal die Richtung vor. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr.

Katja Haescher