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Kunst und Kultur sind für mich Lebensmittel

Mecklenburger Köpfe - Dr. Michael Jungrichter
Dr. Michael Jungrichter ist Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde des Mecklen-burgischen Staatstheaters Schwerin e.V. Foto: privat

Der Kulturförderverein der Schweriner Theaterfreunde ist in diesem Jahr 35 Jahre alt. Seit wann sind Sie ein Theaterfreund?
Ein Freund des Theaters bin ich seit meiner Schulzeit. Als Schüler der EOS Hoyerswerda sind wir regelmäßig nach Cottbus und Senftenberg ins Theater gefahren. Später als Studenten in Berlin hatten wir ein Abonnement, dort habe ich zum Beispiel meine Liebe zum Ballett entdeckt. Anfang der 1970-er Jahre sind meine Frau und ich nach Schwerin gezogen, seit 1976 haben wir hier ein Theaterabo. Mitglieder bei den Theaterfreunden sind wir dann am 11. Oktober 1997 geworden.

Was bedeutet Theater für Sie und warum engagieren Sie sich im Förderverein?
Für mich ist Theater ein Ort zum Wohlfühlen. Wenn ich Neues auf der Bühne sehe, Neues in Texten entdecke, führt das dazu, dass ich das Theater beglückt verlasse. Kunst und Kultur sind für mich Lebensmittel. Bei den Theaterfreunden habe ich das Gefühl, dass ich dort etwas bewegen und für andere Menschen eine Bindung zum Theater herstellen kann. Seit 2008 bin ich Vorsitzender und die Aufgaben sind vielfältig. Wir organisieren zum Beispiel Veranstaltungen mit Künstlern, Theaterfahrten in ganz Deutschland, versuchen also auf vielen Wegen, das Theaterinteresse zu fördern. Außerdem mache ich in einem monatlichen Rund-Brief, den 250 unserer Mitglieder sogar noch in den Briefkasten erhalten, auf besondere Vorstellungen aufmerksam. Dazu kommen Spendenprojekte, der Theaterladen, der Ekhof-Preis…

Welche Projekte sehen Sie als Meilensteine in der Vereinsgeschichte?
Wir haben zum Beispiel ein Cello aus dem 18. Jahrhundert restaurieren lassen. Dieses Projekt lag mir persönlich sehr am Herzen. Wenn ich jetzt im Konzert höre, wie unser Solo-Cellist das Instrument spielt, ist das für mich ein schönes Gefühl. Außerdem freue ich mich über die Sanierung der historischen Bühnentechnik wie der Donnermaschine, denn Schwerin ist eines von wenigen Häusern, in denen es diese Technik noch gibt. Meilensteine unter unseren Förderprojekten sind auch die Unterstützung bei der Restaurierung des historischen Schmuckvorhangs oder der Anschaffung eines neuen Inspizientenpults.

Was war die Intention, den Conrad-Ekhof-Preis zu stiften?
Der Preis soll zur Sichtbarkeit des Schweriner Theaters beitragen und gleichzeitig karrierefördernd wirken. Die Auszeichnung wird deshalb in erster Linie an Nachwuchskünstler vergeben. Mit der Flotow-Medaille haben wir außerdem eine Auszeichnung für verdiente Theatermitarbeiter geschaffen, die nicht auf der Bühne stehen, sondern zum Beispiel an der Kasse, im Büro oder in der Technik tätig sind.

Welche neuen Projekte sind geplant und was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Aktuell wird gerade ein Harmonium restauriert und natürlich werden mit dem Wiedereinzug ins Große Haus weitere Projekte dazukommen. Persönlich wünsche ich mir, dass die Zahl unserer Vereinsmitglieder wieder steigt und die Tausender-Marke knackt. Und ich wünsche mir, dass wir offen für neue Ideen in der Kunst sind, frei denken. Man muss nicht alles auf der Bühne mögen, aber auch nicht mit viel Beharrungsvermögen an früheren Inszenierungen festhalten. Und nicht zuletzt wünsche ich mir, dass mir die Arbeit auch künftig Spaß macht. Zum Glück habe ich verlässtliche Menschen an meiner Seite: den Vorstand, die Theaterfreunde und natürlich meine Frau.

Interview: Katja Haescher