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Kunstwerk Schloss jetzt komplett

Westflügel in Ludwigslust ist nach der Sanierung wieder geöffnet – mit neu konzipierter Ausstellung

Eröffnung LWL Westflügel - Außen
Peter Adam, Mario und Bianca Schuldt und Mia Adam mit Mutter Nicole und Oma Marita (v.l.) freuten sich auf den Besuch im Schloss. Fotos: Journal eins

„Sie haben nichts gesehen, wenn Sie Ludwigslust nicht sahn!“, schrieb der Schriftsteller Stephan Schütze im Jahr 1812 über Residenz und Park. Und auch gut 200 Jahre später kann der Tipp nur lauten: unbedingt hinfahren und anschauen! Seit drei Wochen ist der sanierte Westflügel wieder geöffnet – und eine wunderbare Gelegenheit, Glanz und Pracht des Ludwigsluster Schlosses erstmals als Gesamtkunstwerk zu erleben.

Auf drei Etagen mit 25 Räumen und 1000 Quadratmetern Fläche ist eine neue Dauerausstellung entstanden. Damit setzt das Land Mecklenburg-Vorpommern sein Engagement für die Bewahrung des kulturellen Erbes fort: Seit 1992 wurden ins Schloss rund 49 Millionen Euro investiert.

Der Westflügel als einstiger Damenflügel macht jetzt die Welt der Frauen am Ludwigsluster Hof sichtbar. Da wäre zum Beispiel Herzogin Luise Friederike. Ihr Ehemann Friedrich der Fromme ließ den Prachtbau errichten. Leider interessierte sich Friedrich nicht nur für Architektur und Musik, sondern übermäßig für Religion. Als Pietist stand er Vergnügungen ablehnend gegenüber und aus diesem Grunde nahm sich Luise Friederike gern mal eine Auszeit. Sie packte dann ihren Schoßhund und ihren Papageien und reiste nach Hamburg, um ins Theater zu gehen. Eine zeitgenössische Brettfigur des Hofmalers Matthieu zeigt sie in ihren Gemächern mit Reisemantel und Bologneser unter dem Arm. Diesen Figuren kam durchaus Stellver-
treterfunktion zu: War die Herzogin nicht zugegen, rückte der Kammerdiener sie als Aufsteller vor den Kamin. Die Qualität dieser Ludwigsluster Brettfiguren ist einzigartig.

Dann Louise, die nächste Herzogin. Mit dem Herzog und späteren Großherzog Friedrich Franz I. hatte sie sechs lebende Kinder und ein Gemälde im Vorzimmer ihres Wohnbereiches zeigt sie mit Ehemann und der ganzen Schar: Niemand, der hier wartete, sollte auf die Idee kommen, dass der Fortbestand der Dynastie nicht gesichert sei. Louises Sohn, der Erbprinz Friedrich Ludwig, heiratete dann sogar eine Zarentochter. Großfürs­tin Helena Pawlowna war 14-jährig, als sie aus St. Petersburg nach Ludwigslust kam. Ihr Brautschatz war unermesslich groß und ein goldenes Déjeuner-Geschirr aus der Mitgift glänzt im sanierten Westflügel hinter Glas. Das 13-teilige Service verschwand später aus dem Schloss und konnte 2017 mit Unterstützung mehrerer Stiftungen und Förderer für rund 1,2 Millionen Euro erworben werden. Heute ist es eines der bedeutendsten Objekte der Ausstellung. Helena Pawlowna war kein langes Leben beschieden: Sie starb 19-jährig kurz nach der Geburt ihres zweiten Kindes. Helenas ältester Sohn Paul Friedrich heiratete später Prinzessin Alexandrine von Preußen, eine weitere Bewohnerin des Damenflügels. Ihr Schlafzimmer im Ludwigsluster Schloss, das für die Hochzeit 1822 völlig neu ausgestattet wurde, ist ebenfalls im Westflügel zu bewundern. Kuratorin Dr. Dagmar Sommer machte gerade an diesem Beispiel deutlich, wieviel Arbeit in der Ausstellung steckt: Die Notizen des Architekten Johann Georg Barca wurden akribisch ausgewertet, woraufhin zum Beispiel Alexandrines Bett auf einem säulengeschmückten Podest rekonstru-
iert werden konnte.

„Die neue Ausstellung fußt auf jahrelanger Forschung und akribischer Detektivarbeit“, so die Direktorin der Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen MV, Pirko Kristin Zinnow. Klar, dass die Lust, das Schloss von innen zu sehen, groß ist. Nicole Adams Familie beispielsweise war extra aus dem Harz nach Ludwigslust gereist und am Eröffnungstag gespannt auf die sanierten Räume. Tochter Mia konnte Onkel und Tante sowie den Großeltern gleich noch von dem Musical „Ludwigslust“ erzählen, das am 20. Juni vor dem Rathaus gezeigt wird und in dem sie eine Rolle hat. Denn neben der Eröffnung des Westflügels im 250 Jahre alten Schloss werden in Ludwigslust in diesem Juni auch 150 Jahre Stadtrecht gefeiert.

Katja Haescher

www.mv-schloesser.de/ludwigslust