Michael Heinrichs liebt den Sport mit den Pfeilen und hat „Die Dartschule“ gegründet

Barrels, Shafts und Flights, Oche und Bullseye. Kenner wissen, wovon hier die Rede ist: vom Dart. Längst hat das Spiel sein Image als Kneipenvergnügen abgestreift und ist als ernstzunehmender Sport anerkannt. Weltmeisterschaften wie im „Ally Pally“ in London locken tausende Fans, selbst in Mecklenburg-Vorpommern gibt es einen Liga-Betrieb. Und seit kurzem auch eine Dartschule: Der gebürtige Schweriner Michael Heinrichs will damit ambitionierte Dartspieler unterstützen, noch besser zu werden.
Der 36-Jährige kam vor einigen Jahren durch Zufall zum Dart: im Schuppen seines Nachbarn. „Da habe ich zum ersten Mal Pfeile in der Hand gehabt und gemerkt, dass es mir Spaß macht“, erzählt er. Also schaffte er sich selbst ein Dartboard an. Im Dartverein des FC Mecklenburg Schwerin fand Michael gleichgesinnte Sportfreunde. Und Stück für Stück reifte die Idee, das Thema noch ein bisschen professioneller anzupacken.
Ohnehin war der Grafikdesigner gerade auf Jobsuche. Die führte ihn ins Trendhotel nach Banzkow – in seinem ersten Beruf ist Michael Heinrichs Restaurant- und Hotelfachmann. Und irgendwann hieß es dort: Da gibt es doch noch diesen ungenutzten Seminarraum… Michael durfte sich dort seine Dartschule einrichten. „Die Chefin hat mich toll unterstützt“, freut er sich.
Die Grundausbildung als Übungsleiter hat der Dartsportler bereits absolviert, im September fängt er mit der Ausbildung für die Übrungsleiter-C-Lizenz an und ist dann Ende November zertifizierter Trainer. Das alles macht er nach Feierabend und auch die Dartschule wird ein zusätzliches Standbein sein. Aktuell ist die Zahl der Dartspieler im Bundesland noch sehr ungleich verteilt, aber sie steigt und steigt. Drei Schweriner Sportvereine haben inzwischen Dartmannschaften, 127 Teams zählt der Dartverband MV.
Michael Heinrichs schätzt Dart als einen Sport, der sowohl mentale Stärke und Fitness als auch eine gute körperliche Kondition erfordert. Das fängt schon mit dem Kopfrechnen an, denn gute Dartspieler platzieren ihre Pfeile ganz genau. Sie wissen, wie viele Punkte noch bis zur 0 fehlen und welche Felder sie dafür kombinieren können. Die rote Mitte des Boards, das so genannte Bullseye, ist 50 Punkte wert, der äußere grüne Ring 25. Außerdem gruppieren sich die Felder 1 bis 20 im Scheibenrund, die je nach Treffer einfach, zweifach oder dreifach gewertet werden. Beim so genannten 501-Spiel, das mit 501 Punkten beginnt und auf 0 heruntergespielt werden muss, sind für ein perfektes Spiel wenigstens neun Dart-Würfe nötig. „Die so genannten Neundarter sind legendär und wenn die Profis das im Fernsehen spielen, rastet das Publikum regelmäßig aus“, sagt der junge Coach. Wobei man bei der Frage wäre, wie sich eine solche Zielsicherheit an der Scheibe trainieren lässt.
Michael beispielsweise beginnt damit, Stärken und Schwächen zu analysieren. Dartspieler können sich in der Dartschule im Trendhotel Banzkow Stunden buchen und in fokussierten Trainings an den eigenen Fähigkeiten feilen. Apps helfen dabei, indem sie Beweggungsverläufe aufzeichnen und optimieren. Wie stehe ich, wie verlagere ich das Gewicht? Wie bewegt sich der Arm beim Wurf, wie verlässt der Pfeil die Hand – und vor allem: Was macht der Kopf? „Im Idealfall nichts. Wer Dart spielt, muss sich auf die Scheibe konzentrieren und nicht daran denken, was er am nächsten Abend kochen will“, sagt Michael.
Er selbst spielt jeden Tag Dart. Über ein automatisches Scoring-System kann er zudem online gegen andere Spieler antreten. Und dann gibt es noch die RDL-Online-Dartsliga für Amateure, bei der Michael dabei ist. „Einmal im Jahr treffen sich Leute, die sich vorher nur online kannten, zu einem Turnier. Das ist wie in einer großen Familie“, sagt der Mecklenburger, der schon zweimal bei einem solchen Event dabei war.
Wenn er mal Abwechslung von den Pfeilen braucht, ist Michael Heinrichs begeisterter Fußballer. In seinem Heimatort Rastow gibt es einen gut aufgestellten Sportverein. In dem Dorf zwischen Schwerin und Ludwigslust ist der 36-Jährige, der schon in Florida, Australien und Hamburg gelebt hat, seit einigen Jahren mit seiner Partnerin zu Hause. Das freut auch den Hund der beiden, der am Mecklenburger Landleben deutlich mehr Spaß hat als an dem in der lauten Großstadt.
Katja Haescher