2026 feiert Parchim 800 Jahre Stadtrecht / Siedlung an der Elde noch viel älter

Mit einer 800-Jahre-Stadtwette ist Parchim ins Jubiläumsjahr gestartet. Der Ort zählt in diesem Jahr 800 Jahre Stadtrecht und das zeigen die Parchimer stolz nach außen. Ein Lichtermeer in Form einer „800“ auf die Eisbahn zu bringen, dazu hatte Parchims Bürgermeister Dirk Flörke im Januar aufgerufen. Mindestens 200 Menschen sollten sich dazu auf der Schlittschuhbahn einfinden – so lautete die Wette, die der Bürgermeister hielt. Am Ende waren es fast 300 – sowie zahlreiche Zuschauer.
Damit sind die Parchimer mittendrin in den Veranstaltungen zum Stadtgeburtstag. Oder besser gesagt: zum Stadtrechtsgeburtstag. Hier an der Elde ist bereits eine frühmittelalterliche slawische Siedlung belegt. Von 1170 stammt die erste Erwähnung einer Burg in einer Urkunde Friedrichs I. Barbarossa; Heinrich Borwin II. war es schließlich, der dem Ort 1226 das Stadtrecht verlieh. Parchim gehört damit zu den ältesten Städten Mecklenburgs – nach Schwerin, Rostock und Gadebusch. An der Radegast gab es im vergangenen Jahr die große Jubiläumsparty.
Es war eine Zeit, in der slawische und deutsche Kultur verschmolzen. Der junge Sachsenherzog Heinrich der Löwe war 1147 auf seinen ersten „Wendenkreuzzug“ gezogen und die Kolonisierung der einst slawischen Gebiete mit der Errichtung erster Grafschaften vorangetrieben. Der Familienstammbaum des Parchimer Stadtgründers selbst war Ergebnis einer solchen Verschmelzung: Sein Vater Heinrich Borwin I., aus dem slawischen Obotritengeschlecht stammend, war mit einer unehelichen Tochter Heinrichs des Löwen verheiratet.
Mit der 1225/26 abgefassten Urkunde erhielten die Parchimer Bürger umfangreiche Rechte – 1248 wurde das „Parchimsche Recht“ auch auf die neugegründeten Städte Goldberg und Sternberg übertragen. Im 13. Jahrhundert war Parchim Residenz des Fürstentums Parchim-Richenberg, das bei der ersten mecklenburgischen Hauptlandesteilung nach dem Tod Heinrich Borwins II. entstand und nur kurz existierte. Erster Fürst wurde Heinrichs jüngster Sohn Pribislaw I. Er war es, der 1240 die Parchimer Neustadt gründete. Alt- und Neustadt schlossen sich 1282 zusammen.
In den folgenden Jahren entwickelte sich Parchim als Mecklenburger Landstadt, erholte sich von Stadtbränden und erlebte im 19. Jahrhundert die Industrialisierung. Ein Spaziergang durch die Stadt-geschichte ist im Stadtmuseum möglich.