Rostocker Verein entwickelt plattdeutschen Sprachführer für Pflegepersonal

Wie geiht Sei dat? Wur deiht dat weih? Für mehr „Platt in de Pläg“ setzt sich der Rostocker Klönschnackverein ein und hat deshalb mit Unterstützung des Landes eine eigene Broschüre samt praxisorientierter Vokabelliste mit Begriffen für den Pflegealltag erarbeitet.
„Für viele ältere Menschen ist Platt eine Sprache, mit der sie selbst noch aufgewachsen sind, die für sie mit persönlichen Erinnerungen und einem Heimatgefühl verbunden sind“, sagte Sozialministerin Stefanie Drese bei der Vorstellung des Hefts. Oft sind es Kindheitserinnerungen, die mit Plattdeutsch einhergehen: Gedichte und Lieder, Sprüche und Geschichten. Erkenntnisse aus der Altenpflege zeigten, dass Demenzkranke und Schlaganfallpatienten oft auf Erinnerungen aus dieser Zeit zurückgreifen würden, schreibt der Vorsitzende des „Klönsnack-Rostocker 7“-Vereins Jürgen Wittmüß in seinem Vorwort zur Broschüre. „Bei den alten Liedern wird mitgesungen, Gedichte werden mitgesprochen“, berichtet er von den Auftritten vor Senioren. Die Sprache ist also bestens geeignet, um im Pflegealltag Brücken zwischen Pflegern und Bewohnern zu schlagen.
Der kleine Sprachführer passt in jede Hosen- und Kitteltasche. Er liefert den Wortschatz für typische Alltagssituationen – angefangen bei der Begrüßung über die Vorstellung bis hin zu oft gestellten Fragen: Wat will’n Sei äten…? Hemm’ Sei gaut schlapen? Bruken Sei ’nen Dokter?
Neben dem klassischen Vokabular für die Pflege liefert das Heft auch Stoff, um über Interessen und Erinnerungen zu sprechen. Wat hemm’ Sei früher giern måkt? Wat hemm’ Sei för Hobbys? Jahres- und Tageszeiten von früh bis spät, die Zahlen, wichtige Präpositionen von vorn bis hinten und die Wochentage kommen dazu. Gleichzeitig geben die plattdüütschen Maaten des Vereins allen Hochdeutschsprechern auch Nachhilfe in Sachen Aussprache. Das „å“ mit dem Kringel beispielsweise steht für einen langen offenen o-Laut wie in „oben“, das „g“ in „Tag“ wiederum ist eher wie ein „ch“ auszusprechen: „Gauden Daach!“
Und sicher ist die Freude groß, wenn beim gemeinsamen Singen auch plattdeutsche Lieder auf die Playlist kommen. So ist der Text des Klassikers „Dat du mien Leewsten büst“ in der Broschüre genauso zu finden wie Martha Müller-Grählerts berühmtes Ostseewellen-Lied, in dem es gleich in der ersten Strophe heißt: „Dor is mine Heimat, dor bün ick to Hus.“ Das gilt für viele Menschen auch für die plattdeutsche Sprache und in diesem Sinne hofft Stefanie Drese, dass die plattdeutsche Handreichung zu einem Türöffner in der Pflege werden kann. Wer sich dafür interessiert: Das Heftchen kann unter
kloensnack-rostocker7.de heruntergeladen werden.