
Ich liebe Schwarzwälder Kirschtorte! Schluuurps! Schon wieder ist ein Stück verschlungen und ich schiele aufs nächste. Das ist aber nicht der einzige Grund, weshalb ich ein gern gesehener Gast an Kaffeetafeln bin. Ich bin auch derjenige, der immer die Kirschkerne bekommt. Da kannste beim Backen noch so pulen, ein oder zwei scheinen es in jeden Tortenbelag zu schaffen. Und während alle anderen fröhlich spachteln, bröckelt bei mir der Schnabel. Mein Arzt feixt schon, wenn ich komme, sind Sie nicht die Möwe, die sich neulich mal die Federn an einer Heringsdose rasiert hat? Ja, danke, ich hab auch schon lange nicht mehr so gelacht.
Irgendwie scheint es mein Schicksal zu sein, auf Montagsprodukte zu treffen. Sie wissen schon: entkernt, geleimt und zusammengeschraubt von Menschen, die nach dem Wochenende noch dicke Augen haben. Kaufe ich mir ein Auto, klemmt beim ersten Regen der Scheibenwischer. Trinke ich Tee, verheddere ich mich im Faden des Beutels. Stets bin ich der Erste, der gegen Glastüren fliegt, sich im Büro versehentlich den Flügel locht oder beim Einparken ein Polizeiauto rammt.
Manche meiner Freunde behaupten sogar, ich wäre ungeschickt. So ein Quatsch! Nur weil ich von blödem Zufall zu blödem Zufall flattere, heißt das noch lange nicht, dass ich auch abstürze. Dachte ich zumindest bis gestern. Da kam jemand auf die Idee, seinen ausgedienten Weihnachtsbaum auf die Straße zu stellen.
Euer Matti
(notiert von Katja Haescher)