
Bald ist Frauentag. „Na toll“, ätzte eine Freundin. „Da kannst du wieder nicht auf die Straße gehen, ohne dass dir einer eine Rose in die Hand drückt.“ Ich war perplex. Alle Frauen mögen Blumen, zumindest habe ich das immer gedacht! Und eine Rose zum Frauentag ist doch eine nette Geste! Genau daran schien sich meine Freundin jedoch zu stören, wie ich aus ihrem folgenden Redeschwall erfuhr. Der gipfelte in den Worten, dass sie an gleichmäßig verteilter Sorgearbeit und gleichem Geld für gleiche Arbeit ein deutlich größeres Interesse hätte als an einem halbvertrockneten Stengel. Das brachte mich aus dem Konzept. Steckt doch in symbolischen Handlungen auch viel gesellschaftlicher Kitt: Wenn es schon mit dem großen Ganzen nicht klappt, drückt eine Rose zumindest Wertschätzung aus.
Überhaupt leben wir in einer Welt voller Symbolik. Politiker beispielsweise überbringen gern Fördermittel-Schecks. Das ist streng genommen so, als würde man sich vom eigenen Geld eine Kinokarte kaufen, die einem dann ein anderer freundlich lächelnd überreicht; es macht sich jedoch gut auf Fotos. Mitarbeiter in Service-Zentralen wiederum entschuldigen sich für Verspätungen und Zugausfälle. Du schaffst es zwar nicht nach München, weißt aber wenigstens, dass es jemandem leidtut. Die Geste zählt und das werde ich mir merken. Sollte ich also mal euren Backfisch erwischen, tröstet euch damit, dass ich dankbar bin.
Euer Matti
(notiert von Katja Haescher)