
Es ist Urlaubszeit und damit eine gute Gelegenheit, ein bisschen um die Welt zu flattern. Andere Länder, andere Sitten, und ja, leider oft auch andere Preise. Ich will nicht wieder mit dem Cappuccino auf dem Markusplatz in Venedig anfangen, da kostet die Tasse zwischen 15 bis 20 Euro nebst Tischbedienung und Musik. Okay, immerhin stimmt dort das Ambiente. Aber wenn der Espresso an der Tanke in Sachsen-Anhalt, lauwarm und im Pappbecher auf den Tresen geknallt, teurer ist als in der 1A-Lage am Lago Maggiore, wo er mit edlem Porzellan, Wasserglas und einem Lächeln serviert wird, ist etwas faul!
Ja, alles wird teurer, heißt es dann. Und so kommt‘s, dass sich die meisten Menschen auf Reisen für unterwegs Stullen schmieren, anstatt an der Raststätte für Brot & BoWu ein Vermögen hinzublättern. Bevor ich mir am Strand eine Cola bestelle, nehme ich ja heutzutage auch lieber einen tiefen Schluck aus der Ostsee. Meistens jedenfalls. Wenn ich unterwegs bin, will ich auch mal andere Sachen kosten. Ich saß also neulich so schön an der Promenade und genoss mein Getränk, als plötzlich ein gewaltiger Missklang die Stille durchbrach. Genau genommen waren es viele Missklänge, die ein eifriger Hobbymusiker einer zerbeulten Trompete entlockte. Anschließend hielt er mir seinen Hut unter den Schnabel. Ich habe bezahlt. Sonst engagieren sie nächstens für die Musik einen Profi und ich kann mir den Kaffee gar nicht mehr leisten.
Euer Matti
(notiert von Katja Haescher)