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Serienreif

Matti sagt... Serienreif

Kennen Sie noch echte Straßenfeger? Also, ich meine jetzt keine Männer mit Besen. Ich rede von Fernsehserien, die so erfolgreich waren, dass der Gehweg wie leergefegt war, wenn drinnen auf der Mattscheibe Professor Brinkmann gerade einen Herzinfarkt diagnostizierte. Auch sonst waren es andere Zeiten. Wolltest du wissen, wer auf J.R. geschossen hat und ob er überhaupt noch lebt, musstest du nicht nur eine Woche warten, sondern manchmal eine ganze Sommerpause. Vorm Kino hast du dir die Beine in den Bauch gestanden, um beim „Fliegenden Auge“ einen Platz in der letzten Reihe zu ergattern. Man sah zwar nichts, hörte aber wenigstens den Hubschrauber. Das war noch Einsatz.

Und heute? Koma-Glotzen! Streamingdienste machen es möglich, sich an einem Wochenende ganze Staffeln reinzuziehen. Da braucht dann ein Protagonist theoretisch nur noch den Samstag, um das Medizinexamen zu absolvieren, als Assistenzarzt durchzustarten, eine schwerwiegende Fehl­einschätzung zu treffen, ein Techtelmechtel mit der Ärztin zu haben, dann doch die Krankenschwester zu heiraten und gegen Mitternacht in Rente zu gehen. Man kann sogar vorspulen, wenn man wissen will, ob er am Ende wirklich in dem Edelrestaurant an der Erbse erstickt oder ihn die Kellnerin, die eigentlich schon immer Chirurgin werden wollte, noch mit dem Heimlich-Handgriff rettet. Sicher war früher nicht alles besser. Aber spannender manchmal schon.

Euer Matti
(notiert von Katja Haescher)